Pressemitteilung – Düsseldorf, 26.02.2018

Die Essener Tafel sorgte für viel Aufsehen aufgrund des kürzlich bekanntgewordnenen Ausschlusses von Hilfsbedürftigen mit einer ausländischen Staatszugehörigkeit. Auf der Webseite heißt es knapp, dass „aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren, der Anteil ausländischer Mitbürger [um] 75% angestiegen“ sei und der Vorstand sich daher gezwungen sehe, ihre Hilfe zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis anzubieten.
Trotz der wertvollen und hauptsächlich ehrenamtlichen Arbeit der Essener Tafel, die wöchentlich tausende Essener mit Lebensmitteln versorgt, stellt dieser Ausschluss eine Diskriminierung dar und verstößt gegen den Grundsatz 4 der Tafeln: „Die Tafeln arbeiten unabhängig von politischen Parteien und Konfessionen. Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen.“

Volkan Demirel vom Ruhrdialog e.V. (Essen) sagt: „Wir schätzen die Arbeit der Ehrenamtlichen bei der Tafel sehr. Der Beschluss des Vorstands darf das Engagement der 120 Helferinnen und Helfer nicht diskreditieren. Aber der Ausschluss von bestimmten Bedürftigen aufgrund der Staatszugehörigkeit stellt einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip und die eigenen Grundsätze des Vereins dar.“ Ein Hilfsangebot müsse sich nach der Bedürftigkeit richten, nicht nach dem Pass.

„Es ist bestürzend, dass so ein Ausschluss im Herzen des Ruhrgebiets heute stattfinden kann, und dass dieser Ausschluss in verschiedenen Medien mit den ‚Genen‘ der Zuwanderer und ihrem Nichtbenehmen gerechtfertigt wird“, so der VEZ-Vorsitzende Genc Osman Esen. Dabei hätte man andere Wege gehen können. „Eine Verbesserung kann durch die Beschäftigung von Mitarbeitern und Helfern erreicht werden, die die Sprachen der Kunden sprechen und entsprechend mit ihnen kommunizieren können.“ Falls sich die Menschen auch dann nicht an Regeln halten, könne man diese gezielt ausschließen.

Trotz aller Kritik an der Entscheidung verurteilt der VEZ die kürzlich von Unbekannten gemachten Graffiti-Schmierereien an Tür und Fahrzeugen der Tafel scharf. Esen: „Die Arbeit der Tafel ist und bleibt wertvoll. Neben unserem Appell, ihre Entscheidung zu überdenken, zeigen wir unsere Solidarität nach diesen beleidigenden Schmierereien.“