Pressemitteilung – Düsseldorf, 08.03.2018

Seit 1911 feiern Frauen den „Internationalen Tag der Frauen“. In diesem Jahr ist es ein historisches Datum: das 100-jährige Jubiläum des Wahlrechtes für Frauen in Deutschland. 

Um die Einführung des Frauen-Wahlrechts zu beschleunigen, kamen am 27. August 1910 anlässlich der II. Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen mehr als 100 Delegierte aus 17 Nationen, davon 12 aus Deutschland, in Kopenhagen zusammen.

Auf einen Antrag von Clara Zetkins wurde beschlossen einen ,,Internationalen Frauentag“ als alljährlichen Tag zu begehen. Am 19. März 1911 folgte der erste Frauentag in Deutschland. Die zentrale politische Forderung war das aktive und passive Wahlrecht für Frauen. Mehr als eine Million Frauen gingen für diese Forderung auf die Straße.

Am 12. November 1918 war es dann endlich so weit, das Wahlrecht für Frauen wurde gesetzlich verankert. Ein Meilenstein für die Frauenbewegung in Deutschland. Erst in zehn weiteren Ländern war zu diesem Zeitpunkt das Wahlrecht für Frauen bereits eingeführt. Als letzter europäischer Staat führte das Fürstentum Liechtenstein 1984 das Frauenwahlrecht ein. In der Schweiz besitzen Frauen zwar seit 1971 das Wahlrecht, doch im Halbkanton Appenzell-Innerrhoden wurde dieses Recht erst 1990 durchgesetzt.

Später wurde das Datum des Internationalen Tag der Frauen auf den 8. März geändert, in Gedenken an die Textilarbeiterinnen der Textilfabrik “Cotton” in New York, bei dem die Textilarbeiterinnen damals für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen kämpften.

Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde der Weltfrauentag abgeschafft. In der Bundesrepublik ist sie bis zur neuen Frauenbewegung 1970 in Vergessenheit geraten. Intensiv Beachtung fand sie aber erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

Heute ist der Weltfrauentag eine wichtige Plattform für die Frau; denn, auch wenn in rechtlicher Hinsicht die Gleichstellung von Frauen in Deutschland in allen Lebensbereichen erreicht ist, kann immer noch nicht von einer wirklichen Gleichberechtigung im Lebens- und Arbeitsalltag die Rede sein.

Besonders im Berufsleben werden Frauen nach wie vor benachteiligt. Gerade jetzt muss die Gleichstellung der Geschlechter in Wirtschaft und Verwaltung, in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf der Agenda bleiben. Populistische Bewegungen, die eine genderfeindliche Ideologie unterstützen, bedrohen zunehmend die Errungenschaften der Frauenbewegungen und auch die Solidarität mit Frauen in Krisengebieten ist ein wichtiges Thema an diesem Tag.

Besonders in der sogenannten Islamischen Welt, gibt es heute durch fehlende Bildung, der radikalen und nicht zeitgemäßen Auslegung der religiösen Schriften und den autoritären Regierungsformen, die eine Freiheitliche Grundordnung nicht akzeptieren, viele Probleme in Bezug auf Frauenrechte.

Inwieweit dies aus dem Islam heraus zu begründen ist, erläutert Fethullah Gülen 2012 auf die Frage des FAZ-Journalisten Rainer Hermann, folgendermaßen:

„Die Rolle der Frau ist nicht auf die Beschäftigung zu Hause und auf das Großziehen der Kinder beschränkt. Die Frau im Islam gehört zu den Themen, die im Westen negativ und am häufigsten behandelt werden. Der Grund ist, dass die Muslime Dinge praktizieren, die den Grundwerten des Islams wiedersprechen. Muslime unterschiedlicher Völker hatten ihren historischen Erfahrungsschatz mit dem Kleid des Islams gekleidet. Sie präsentierten ihre Gewohnheiten und Traditionen als gehörten sie zu den Grundlagen der Religionen. In dieser Richtung gab es auch einige theologische Gutachten. So wurden die Rechte der Frau veräußert und von Tag zu Tag wurde sie in einen immer engeren Bereich gedrängt und sie wurde, ohne zu erfassen wohin das ganze hinausläuft, in einigen Gebieten sogar ganz aus dem Leben ausgeschlossen“.

Schon 1995 sagte er in einem Interview zur gleichen Thematik:

In der sozialen Atmosphäre muslimischer Gesellschaften, die nicht von den Sitten unislamischer Traditionen, verunreinigt’ sind, nehmen die Frauen am alltäglichen Leben teil. Frauen beteten in den Moscheen mit den Männern gemeinsam. Selbst eine alte Frau konnte dem Kalifen in der Moschee in einer Rechtsfrage widersprechen.  Außerdem fungierte Aischa, die Frau des Propheten als religiöse Gelehrte, deren Ansichten jedermann akzeptierte.

Ob eine Frau in einem muslimischen Land Staatsoberhaupt sein darf, erwidert Gülen sehr klar:

„Eine Frau darf jedes Amt ausüben, einschließlich das der Präsidentin.“

Vor allem in den letzten Jahren hat sich die Situation in einigen Ländern verschärft. Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend- Dr. Katarina Barley hat dies in ihrer Rede anlässlich des Weltfrauentags vor dem Deutschen Bundestag am 1. März 2018 auf den Punkt gebracht:

„Eines muss man ganz klar sagen: Frauenrechte sind Menschenrechte. In den Staaten, in denen die Frauenrechte unter Druck geraten, sieht man, dass dort immer auch die anderen Menschenrechte unter Druck geraten: die freie Presse, die unabhängige Justiz, die kritische Kultur. Deswegen ist der Kampf für Frauenrechte immer auch ein Kampf für die Demokratie als solche.“

Der Internationale Tag der Frauen ist ein Tag, an dem einfache Frauen Geschichte geschrieben haben und schreiben. Er ist ein Tag, an dem das Frausein ausreicht, um zusammen zu halten. Diese gemeinsame Stärke brauchen wir mehr denn je, um gegen Unrecht vorzugehen.

Der internationale Tag der Frauen ist Ausdruck der Menschenwürde, der Menschenrechte, des Selbstbestimmungsrechts und der umfassenden Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft.

Wir wünschen uns, dass unsere Mitgliedsvereine die Partizipation der Frauen in der Gesellschaft und in der Hizmet-Bewegung noch mehr stärken und bedanken uns bei allen, die im Rahmen des „Internationalen Tag der Frauen“ Veranstaltungen organisieren, diesen Tag gemeinsam mit lokalen Partnern begehen und diesem Tag besondere Wertschätzung zuteilwerden lassen.

Wir gratulieren allen Frauen, ganz herzlich zum Internationalen Frauentag! 

Hanife Tosun
Stellv. Vorstandsvorsitzende